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Vom Postauto zum Auto zum Elektrovelo

Und irgendwann war es soweit: ich wurde pensioniert. Der Eintritt in den Ruhestand brachte für mich vor allem eines mit sich: ganz viele Termine an ganz vielen verschiedenen Orten. Zum ersten Mal musste ich also meine Mobilität wieder neu organisieren. War ich früher immer mit dem Auto zur Arbeit gefahren, drängte sich dann irgendwann der Umstieg auf den öV auf und die täglichen Fahrten mit dem Postauto waren mir zur Gewohnheit geworden. Das kurze Stück von der Haltestelle ins Büro legte ich zu Fuss zurück - man soll sich ja bewegen - und abends dann den gleichen Weg zurück: zu Fuss zur Haltestelle, ins Postauto, dann noch ein kurzes Stück zu Fuss und schon zu Hause angekommen. Das funktionierte ganz gut, mein Arbeitsort lag in der Innenstadt, auswärtige Termine musste ich selten wahrnehmen, mein Bewegungsradius war also sehr klein.

Nun aber eben die Pensionierung: schön, dass mich so viele Bekannte treffen wollten, jetzt, wo ich doch so viel Zeit hatte. Ich verabredete mich also zum Kaffee am morgen mit Ruth, zum Mittagessen mit meiner Tochter und dann zum Feierabendbier mit meinen ehemaligen Arbeitskollegen. Wie immer war ich - die Macht der Gewohnheit - mit dem Postauto unterwegs. Für den Kaffee am morgen war das ideal, wir trafen uns in einer Bäckerei in der Stadt. Dann aber der Weg zu meiner Tochter: RBS und dann umsteigen auf den Bus. Zurück: Bus, Stau, RBS verpasst. Mit der nächsten RBS und schon eine Viertelstunde zu spät fürs Feierabendbier, dann Postauto verpasst und eine Stunde später zu Hause. Und was hatte ich gemacht: gewartet. Nicht, dass Warten an sich schlimm wäre, nein, aber am Abend fehlte mir die Bewegung und ich hatte das Gefühl, dass viel Zeit ungenutzt verstrichen war. 

Mein eBike

Ich überlegte mir dann ausgiebig, wie ich mein festgefahrenes Mobilitätsmuster meiner momentanen Situation anpassen konnte. Das Auto war keine Option, für ein herkömmliches Velo waren die Strecken dann doch zu lang. Aber ein eBike, das wollte ich schon länger mal ausprobieren. Gesagt - getan. Und ich war begeistert. Mit dem eBike (nicht eines von den ganz schnellen, sondern eines mit einer mässigen Unterstützung) konnte ich alle meine täglichen Strecken problemlos zurücklegen, kam ohne Stau und Parkplatzprobleme von A nach B und hatte auch noch grad die tägliche Portion Bewegung in meinen Alltag eingebaut. Heute lege ich einen Grossteil meiner Wege mit dem Velo zurück und habe das Gefühl, besser, schneller, ökologischer und vor allem gesünder unterwegs zu sein als noch vor wenigen Jahren. 

Ein Blog von Ruedi Flüeler, Bern